albi, marcus, norbert und anne

Im September 1997 hört Marcus Heider das neue Oasis-Album „Be here now“ und tröstet sich mit der Lektüre der Heftromanreihe „Geisterjäger John Sinclair“. Die Groschenromane und der Abgesang auf goldene Britpopzeiten ähneln einander zwar, was intellektuelle Strahlkraft und Niveau angehen, die Sinclair-Romane haben aber einen ungleich höheren Unterhaltungswert. Außerdem verändern sie das Leben des Texters/Songwriters/Sängers nachhaltig: Er beschließt seine neueste musikalische Inkarnation nach einem der mächtigsten Gegner von John Sinclair zu benennen: SPUK.
SPUK wird zur Spielwiese eines losen musikalischen Kollektivs, das seinen Sound erst finden muß. Zu Beginn spielt man nervös fiebrigen Rock mit deutschen Texten, on the ground, nicht underground, die Arrangements sind sparsam, wenn nicht sogar karg: Reduktion statt Opulenz oder, um ein Shakespeare-Postulat zu zitieren: „Mehr Inhalt, weniger Kunst!“
Um die Jahrtausendwende werden die Gitarrensounds breitbeiniger, und das Longplayer-Demo „Konzentrat“ erscheint 2002. Ein offensives, ruppiges und großspuriges Statement, das Millionen geliebt hätten, wenn sie denn eine Chance gehabt hätten, es zu hören. Das Werk bleibt vertriebs- und labellos, somit chancenlos.
In der Folge wird in Österreich jede Schlucht gerockt, die Band spielt sich von Westen nach Osten, selbst dann, wenn mehr Kühe auf angrenzenden Weiden herumlungern, als Zuhörer vor der Bühne. Die Spelunken, in denen man auftritt, sind ähnlich charmant wie das oben erwähnte Oasis-Album. Der normale Alltag einer Rockband also.
Im Laufe der Zeit verdichtet sich der ungestüme Sound, und eigenwillige, gewitzte und exzentrische deutsche Indiepop-Songs dominieren die Setlist der Band. Die Band hat sich und ihren Sound gefunden, und das, ohne „erwachsener“ oder „reifer“ geworden zu sein.
Marcus Heider schickt sich und seine Band ins Studio und nimmt im Laufe von 2007 das Album „Automat“ auf. Mit Gottfried Schuster von Karmatraxx in Wien ist ein Produzent mit an Bord, der liebevoll und konsequent die Spreu vom Weizen trennt. Die Band darf wie sie selbst klingen, die kleinen karmatraxx’schen Soundinterventionen sind das Sahnehäubchen auf dem Spukkuchen. „Automat“ ist lockerer, pfiffiger und hörbarer geworden und nicht zuletzt deshalb auf einem erfolgreicheren Weg: Engine-Records veröffentlicht das Album, den Vertrieb für Deutschland und Österreich übernimmt Rebeat.
Spuk kann man zappeln, tanzen, rocken, liebhaben.